Deutschland und Frankreich starten europäische Initiative gegen Kokain- und Crackabhängigkeit
Bundesdrogenbeauftragter: Wir bündeln Europas Forschung, damit Betroffene schneller wirksame Hilfe bekommen.
Deutschland und Frankreich haben heute eine gemeinsame europäische Initiative zur Erforschung und Entwicklung wirksamer Behandlungen bei Stimulanzienabhängigkeiten gestartet. Konkret geht es unter anderem um die Behandlung von Abhängigkeiten von Kokain, Crack und andere Psychostimulanzien. Zum Auftakt kamen auf gemeinsame Einladung der Drogenbeauftragten Deutschlands und Frankreichs Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher europäischer Staaten wie der Niederlande, Belgien und der Schweiz, der Europäischen Kommission, der Weltgesundheitsorganisation, der Europäischen Drogen-Agentur und der Europäischen Arzneimittel-Agentur zusammen.
Mit der Initiative sollen bestehende Forschungsprojekte gebündelt, gemeinsame Prioritäten festgelegt und europäische Studien besser koordiniert werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen schneller in der Versorgung von Patientinnen und Patienten integriert werden.
Die internationale Zusammenarbeit ist wichtig, weil der Konsum von Kokain europaweit deutlich zunimmt. Nach Angaben der EUDA konsumieren inzwischen rund vier Millionen Erwachsene in Europa Kokain. Auch in Deutschland hat sich der Kokainkonsum in den letzten Jahren ausgeweitet; bei den 18- bis 25-Jährigen sind es bereits mehr als vier Prozent, die Kokain konsumieren. Zugleich steigen die gesundheitlichen Folgen, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Erkrankungen. Problematisch ist, dass es bislang keine zugelassene medikamentöse Standardtherapie gegen Kokain- und Crackabhängigkeit gibt.
Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen erklärt: „Kokain und Crack werden zu einem immer größeren Problem. In manchen Städten sehen wir, wie Menschen auf der Straße verelenden und ganze Stadtteile und Kommunen unter den Folgen leiden. Beim Straßenkokain - Crack - sind wir medizinisch bis heute erschreckend hilflos. Es gibt keine Substitution wie bei Heroin und kaum Möglichkeiten, diesen extremen Suchtdruck in irgendeiner Weise mit Medikamenten und Hilfen zu durchbrechen. Frankreich steht vor genau demselben Problem. Deshalb gehen Deutschland und Frankreich jetzt gemeinsam diesen medizinischen Rückstand an. Wir bündeln Europas Forschung, bringen die stärksten wissenschaftlichen Zentren zusammen und beschleunigen den Weg von der Forschung in die Behandlung. Unser Ziel ist, bei Kokain und Crack medizinisch endlich einen Durchbruch zu schaffen.“