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Jeder vierte Drogentote ist unter 30 Jahre

Bundesdrogenbeauftragter: Jugendliche, die Hilfe brauchen, müssen sie auch bekommen

2.150 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf Rekordniveau. Die Drogentoten werden immer jünger. Seit 2021 sind die Todesfälle unter 30 um mehr als die Hälfte gestiegen, bei den unter 20-Jährigen haben sie sich nahezu verdoppelt. Fast jeder vierte Drogentote ist heute jünger als 30 Jahre.

Hierzu der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen Prof. Dr. Hendrik Streeck: „2.150 Drogentote sind 2.150 Gründe, früher zu handeln. Besonders erschüttert mich, dass die Opfer immer jünger werden. Wenn fast jeder vierte Drogentote unter 30 ist, dann darf unsere Antwort nicht Betroffenheit sein, sondern es braucht auch Konsequenzen: mehr Prävention, frühere Hilfe und ein Hilfesystem, das Menschen rechtzeitig erreicht. Die Verharmlosung von Drogenkonsum hat einen Preis, den wir hier sehen. Junge Menschen mischen Medikamente, Alkohol und andere Substanzen, oft ohne die tödlichen Risiken der Kombinationen zu kennen. Viele dieser jungen Menschen können die Risiken noch nicht oder nicht vollständig überschauen.“

Auffällig ist, dass die jungen Drogentoten vor allem Medikamente konsumiert haben. Wenngleich in der Regel nicht alleine todesursächlich spielen Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel überdurchschnittlich häufig eine Rolle. Gleichzeitig wird der Konsum immer riskanter: Mehr als vier von fünf Drogentoten starben nach dem Konsum mehrerer Substanzen gleichzeitig. „Mischkonsum ist hochgefährlich. Vielen jungen Menschen ist dieses Risiko nicht bewusst. Sie konsumieren aus psychischer Belastung, aus Neugier oder Übermut und mischen Substanzen. Darauf müssen Bundesregierung und Suchthilfe entschlossen reagieren. Wir haben in Deutschland ein gutes Suchthilfesystem, aber wir dürfen es nicht kaputtsparen. Gerade Jugendliche brauchen schneller Hilfe: ausreichend Entzugs- und Therapieplätze, Begleitung für Familien und Angebote, die sie erreichen, bevor aus Risiko ein Todesfall wird.“

Die Zahl der Todesfälle, die unter anderem im Zusammenhang mit dem Konsum dieser Substanzen stehen, hat sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt: von 365 Fällen im Jahr 2021 auf 769 Fälle im Jahr 2025. Gleichzeitig breiten sich synthetische Opioide weiter aus. Zum Beispiel bei Fentanyl wurden 118 Todesfälle registriert, über 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Diese Entwicklung ist kein rein deutsches Problem. Auch der aktuelle Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen und der Europäische Drogenbericht zeigen weltweit einen deutlich gestiegenen Drogenkonsum. Besonders Kokain und synthetische Drogen gewinnen weiter an Bedeutung. Gleichzeitig verändern sich die Drogenmärkte rasant: Neue psychoaktive Stoffe, immer potentere Substanzen und digitale Vertriebswege erhöhen die Risiken und die Verbreitung.

Hendrik Streeck schätzt die Situation so ein: „Der Drogenmarkt hat sich grundlegend verändert. Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen sind heute oft nur wenige Klicks entfernt. Der Dealer an der Straßenecke ist längst nicht mehr das einzige Problem. Viele junge Menschen unterschätzen die Risiken, halten einzelne Substanzen für harmlos oder wissen nicht, wie gefährlich Mischkonsum mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen werden kann. Als Arzt sehe ich auch, dass psychische Belastungen, Krisen, Neugier und Übermut eine Rolle spielen können. Genau deshalb müssen wir junge Menschen früher erreichen: mit klarer Aufklärung, wirksamer Prävention und Hilfen, die ankommen, bevor aus einem Risiko ein Todesfall wird.“

Besorgniserregend seien zudem neue Erkenntnisse aus der Suchthilfe und dem Drug Checking, schätzt Hendrik Streck ein: „Wir sehen auf dem Markt Tabletten, die aussehen wie bekannte Medikamente, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt sind. Wer sie einnimmt, weiß oft nicht, was wirklich darin ist. Genau das macht sie so gefährlich. Schon kleinste Mengen können tödlich sein.“ 

Die Bundesregierung arbeitet derzeit ressortübergreifend an Maßnahmen zur Eindämmung der aufkommenden neuen Drogenprobleme. Dazu gehören unter anderem der Ausbau von Monitoring- und Frühwarnsystemen für synthetische Opioide und die Stärkung von Prävention und Suchthilfeangeboten für junge Menschen. Der Zugang zum Notfallmedikament Naloxon, das der Überdosierung von Opioiden entgegenwirken kann, wurde bereits erleichtert.

Kernaussagen 2025 auf einen Blick:

  • 2.150 drogenbedingte Todesfälle – weiterhin auf sehr hohem Niveau. 
  • 528 Drogentote unter 30 Jahren (+52,6 % seit 2021). 
  • 106 Drogentote unter 20 Jahren (nahezu Verdopplung seit 2021). 
  • 81,5 % aller Drogentoten starben im Zusammenhang mit Mischkonsum. 
  • 769 Todesfälle mit Beteiligung von Kokain/Crack (mehr als verdoppelt seit 2021 (+110,7 Prozent). 

synthetischen Opioide breiten sich aus: als Beispiel: 118 Todesfälle mit Beteiligung von Fentanyl (+34,1 Prozent im Vergleich zu 2021).